Testcenter für Explosivstoffdetektionssysteme in Kooperation mit der Bundespolizei

Der Test und die Zertifizierung von Explosivstoffdetektionssystemen im Rahmen eines realistischen Testszenarios ist die Grundvoraussetzung für Sicherheitsbehörden und Endanwender wie z.B. Flughafenbetreiber, um belastbare Leistungsdaten zu erhalten. Die Geräteauswahl im Segment der Luftfahrtsicherheit, die auf Basis dieser Resultate getroffen wird, garantiert einen Europaweit einheitlichen Sicherheitsstandard.

Kooperation

Im Zuge der zunehmenden Bedrohungslage mit terroristischem Hintergrund, deren Focus vorwiegend auf solche Ziele ausgerichtet ist, die im Fall eines plankonformen Attentats eine maximale Aufmerksamkeit der Medien und der Öffentlichkeit nach sich ziehen, war die Europäische Kommission gezwungen entsprechende Sicherheitsvorkehrungen im Bereich der zivilen Luftfahrt einzuführen. Eine erste Direktmaßnahme aus dem Jahr 2006 stellte das Verbot von Flüssigkeiten im Handgepäck dar. Parallel zu dieser Direktmaßnahme wurden Sicherheitsforschungsprogramme gestartet und die European Civil Aviation Conference (ECAC), als Erfahrungsträger im Bereich der zivilen Luftfahrtsicherheit, damit beauftragt einen Evaluationsprozess für Detektionssysteme zu kreieren. Dieser Evaluationsprozess erlaubt eine objektive Bewertung der Leistungsfähigkeit und eine direkte Vergleichbarkeit der Geräte. Die Zertifizierung der Geräte erfolgt auf Basis der Testergebnisse durch die EU-Mitgliedsstaaten. Das Ziel wird sein ein einheitliches Sicherheitssystem an den Flughäfen aller europäischen Mitgliedsstaaten einzuführen.

In Kooperation mit der Bundespolizei stellt das Fraunhofer ICT das nationale Testcenter zur Bewertung von Explosivstoff-Detektionssystemen. Im Auftrag der ECAC werden Detektionssysteme für die Zulassung an europäischen Flughäfen getestet – die standardisierte Testmethodologie hierzu wurde im Rahmen einer europäischen Beteiligung maßgeblich durch das Fraunhofer ICT mitentwickelt, im Speziellen das Sicherheitskonzept und die Stabilitätsuntersuchungen der flüssigen Explosivstoffe IE’s (»improvised explosive mixtures«) sowie der Präparation von partikulären Explosivstoffspuren.
Das Fraunhofer ICT bietet den Herstellern von Explosivstoffdetektionssystemen ferner die Möglichkeit im Zuge der Systementwicklung private Messkampagnen mit maßgeschneiderten Testszenarien durchzuführen, bei denen die grundlegenden Parameter von diversen Explosivstoffen erfasst werden. Die vorhandenen Testmethoden umfassen folgende Detektionssystemklassen für flüssige, feste Explosivstoffe sowie für partikuläre und gasförmige Explosivstoffspuren.

ECAC-Zertifizierungstest

Das Spektrum der offiziellen ECAC-Zertifizierungstests am Fraunhofer ICT umfasst die folgenden Detektionssysteme:

  • Detektionssysteme für aufgegebenes Gepäck (EDS Std. 3.2)
  • Detektionssysteme für Handgepäck (LEDS {Typ A-D}, EDS-C)
  • Spurendetektionssysteme (ETD)

Die Anmeldung der Hersteller erfolgt offiziell im Rahmen des ECAC common evaluation process (ECAC-CEP), direkt im ECAC-Sekretariat. Systemhersteller, welche einen Zertifizierungsprozess durchlaufen, erhalten nach Abschluss des Leitungstest eine limitierte Rückmeldung. Weiterführende Dokumentation obliegt ausschließlich dem ECAC-Sekretariat, auf Basis von eingestuften berichten, die die analysierten Leistungsergebnisse in Form seitens der Testcenter enthalten. Systeme, welche die festgelegten Leistungsstandards nicht auf Anhieb erreicht haben, können sich nach einer Systemweiterentwicklung erneut einem realen Zertifizierungstest unterziehen oder unter speziellen Voraussetzungen auf Basis des Rohdatensatzes aus einer realen Testkampagne zu einem sogenannten „simulated-retest“ (SRT) zugelassen werden.

© Foto Fraunhofer ICT

Servicedienstleitung Testcenter

© Foto Fraunhofer ICT
© Foto Fraunhofer ICT

Das Testcenter des Fraunhofer ICT bietet Herstellern die Möglichkeit z. B. in Vorbereitung auf einen offiziellen Zertifizierungstest eine Standortbestimmung der Detektionsleistung ihres Systems durchzuführen. Dies kann entweder nach einem Standardtestprotokoll (ICT-TEST) oder nach einem maßgeschneiderten Testprotokoll erfolgen. Alternativ besteht auch die Möglichkeit bereits auf einer sehr frühen Stufe ein System entwicklungsbegleitend testen zu lassen (z. B. Aufbau einer Datenbank).

Je nach Gerätetyp kann der Hersteller aus einer Vielzahl an festen, flüssigen und spurenförmigen Explosivstoffen aus dem Bereich der kommerziellen, militärischen und den sogenannten "home made"-Explosivstoffen wählen. Auch ungewöhnliche Wünsche wie unmarkierten Explosivstoffe für Spürhundeausbildung können bedient werden. Reale Testszenarien wie die Detektion von Explosivstoffen im Handgepäck können mit Hilfe eines repräsentativen Koffersets nachgestellt werden. Ferner steht auch eine repräsentative Auswahl an verschiedenen Oberflächenmaterialen zu Verfügung, die es erlauben partikuläre Oberflächenproben für die Detektion mittels Explosivstoffspurendetektoren zu simulieren. Neben den gängigen Explosivstoffen werden auch sogenannte Fehlalarm- bzw. Störstoffe vorgehalten, z. B. das Flüssigfehlalarmset bestehend aus 500 Proben wie Konservendosen, Pflegeprodukte, Spirituosen usw.; die resultierende Laborfehlalarmrate erlaubt einen ersten Eindruck für den späteren operativen Einsatz. Der Auftraggeber erhält nach Durchführung einen ausführlichen Testbericht sowie den gesammelten Rohdatensatz.

Neben der direkten Dienstleistung als Testcenter besteht auch die Möglichkeit zur Weiterbildung von Sicherheitspersonal (Entschärfer) im Bereich der home-made-Explosivstoffe.