Der Produktpiraterie vorbeugen

»Sprenggeprägte« Hologramme als Plagiatschutz

Pressemeldung / 19. März 2008

Ein verblüffendes Verfahren zur Abformung nahezu beliebig strukturierter Materialien in Metall ist das Sprengprägen. Im BMBF-Projekt „Holo-Impact“ untersuchen Wissenschaftler des Fraunhofer ICT in Pfinztal zusammen mit 5 Partnern aus Industrie und Hochschule das Nanostrukturieren von Metalloberflächen mittels holografischer Prägevorlagen.

Gesellschaftliche Veränderungen, wie zum Beispiel die Globalisierung des Marktes, haben konträre Gesichter: Zunehmende Markenpiraterie, Grauhandel und Plagiate sind mittlerweile »alltäglich« geworden. Die Produktpiraterie beschränkt sich schon lange nicht mehr auf Textilien und Uhren, sondern nach Schätzungen der Internationalen Handelskammer werden etwa 10 Prozent des gesamten Welthandelvolumens mit gefälschten Produkten erzielt. Allein in Deutschland gehen dadurch jährlich ca. 70.000 Arbeitsplätze verloren, europaweit sind es etwa 300.000.

Zur Kennzeichnung des Originalprodukts reicht ein Firmenemblem schon lange nicht mehr; aber auch die häufig verwendeten Hologramm-Siegel sind nicht fälschungssicher. Folglich sind übergreifende und langfristig angelegte Strategien erforderlich, um das Nachahmen von Produkten und deren Vermarktung zu erschweren.

Ein verblüffendes Verfahren zur Abformung sogar relativ weicher und nahezu beliebig strukturierter Materialien in Metall ist das Sprengprägen. Die strukturierte Vorlage wird direkt auf die Werkstück- oder Werkzeugoberfläche gelegt und mittels eines hohen Impulses durch einen Explosivstoff ins Metall übertragen. Natürliche Nano- und Mikrostrukturen wie Lotusblätter oder Mottenaugen als auch Grobstrukturen wie Holz, Leder und Textil lassen sich durch den hohen Detonationsimpuls in die Metalloberfläche einprägen. Die Strukturvorlage wird dabei zerstört. Damit ist dieser Vorgang nicht kopierfähig - selbst wenn man identische Vorlagen verwenden würde - da dieser komplexe Vorgang der Prägung mittels Detonation sich niemals im Detail wiederholen lässt.

In enger Kooperation mit den Projektpartnern aus Industrie1 und Wissenschaft2 wurde am Fraunhofer ICT im Rahmen des Projektes »Nanostrukturieren von Metalloberflächen mittels holografischer Prägevorlagen (Holo-Impact)« eine Technologie entwickelt, um die Strukturen einer Nickelkopie des Hologramms, eines so genannten Shims, in ein Spritzgießwerkzeug zu übertragen und Kunststoffprodukte mit deutlich sichtbarem Hologramm in Serie zu fertigen. Damit sind alle Bauteile über den in Kunststoff eingegossenen Fingerprint eindeutig zu identifizieren.

Mit den Projektergebnissen soll eine international führende Position auf dem Gebiet der Nanostrukturierung von Metalloberflächen, insbesondere auch zum Schutz vor Plagiaten, erreicht werden.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie der Projektträger Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) unterstützen das Projekt »Nanostrukturieren von Metalloberflächen mittels holografischer Prägevorlagen (Holo-Impact)«. Die Laufzeit des Projekts beträgt drei Jahre: vom 1. Mai 2006 bis zum 30. April 2009.

1 Neumann: Plagiatschutz, Authentizitätsbeleg, Unikate für Sonderprodukte
topac: Holografieprodukte, Sondermaschinen für die Holografie
Rieger: Sicherheitstechnik, Herstellung fertigungsnaher Sprengkammern
Kugler: Spanabhebende und laserbasierte Herstellung optischer Mastergitter
2 IMR, Uni Hannover: Synthetische Hologramme, Messtechnische Analyse, Abformungen durch Kaltabformen und Heißprägen